Seminar für Fachpersonen
Familien mit lebensbedrohlich erkrankten Kindern: Übergänge, Narrative und soziales Umfeld
Zeit: 09.00 - 12.30 Uhr (vier Einheiten zu je 45 Minuten)
Referentin: Lic. phil. Kerstin Westhoff
Teilnehmer*innen: max. 15 Personen
Ort: Traumazentrum – die Boje, Hernalser Hauptstraße 15/2. Stock/5, 1170 Wien
Preis: € 100,-
Eine lebensbedrohliche Diagnose, wie z. Bsp. die Krebserkrankung eines Kindes, verändert den familiären und sozialen Alltag einer Familie mit häufig sehr weitreichenden Konsequenzen. Die Eltern und das betroffene Kind werden schlagartig mit einer neuen schmerzlichen Realität konfrontiert und erleben sich selbst, aber auch ihr soziales Umfeld häufig zutiefst verunsichert. Nicht selten kommt es neben Veränderungen in den Geschwister- und Freundschaftsbeziehungen auch im erweiterten familiären und sozialen Umfeld zu emotionalen Erschütterungen. Fast alle Kinder und Familien erleben zudem im Verlauf der langen Behandlungszeit extrem belastende Situationen. Das Behandlungsteam wird damit zum Zeugen einer potentiell traumatischen Situation. Toxischer Stress und traumatisierende Situationen finden in unserer Anwesenheit, also quasi vor unseren Augen statt.
Wir werden miteinander diskutieren, wie wir verhindern können, dass es aufgrund der Diagnose und anschließenden Behandlung zu anhaltenden psychischen Folgen kommt.
Anhand konkreter Fallbeispiele werden wir folgende Aspekte diskutieren, welche jeweils bestimmte Übergangssituationen für betroffene Familien markieren:
- Erstens soll es um den Übergang aus der Alltagsnormalität in das Leben mit einer lebensbedrohlichen Diagnose gehen. Hier soll der Aspekt der Konfrontation mit der Diagnose im Vordergrund stehen und Reaktionen der gesamten Familie, auch der Geschwister, auf diese veränderte Lebenssituation.
- Zweitens soll es um den Übergang von der intensiven Behandlungsphase in eine neue Normalität gehen, mit der Frage, wie dieser Übergang gelingen kann oder woran er unter Umständen scheitert. In diesem Zusammenhang werde ich gern einige Überlegungen zu Rolle des Narrativs und zum Thema Trauma und Zeiterleben diskutieren.
- Und schließlich geht es um den Übergang von der kurativen in die palliative Situation mit der Frage: Sollen Eltern mit ihren terminal krebskranken Kindern über den Tod reden?
Lic. phil. Kerstin Westhoff
Fachpsychologin für Kinder- und Jugendpsychologie FSP
Psychoonkologische Psychotherapeutin FSP/ SGPO
Lizentiat in klinischer Psychologie an der Universität Basel 1997. Psychoanalytische Ausbildung am Psychoanalytischen Seminar Basel. Arbeit an der Kinder- und Jugendpsychiatrischen Universitätspoliklinik Basel. Seit 2005 Psychoonkologin am Universitätskinderspital bei der Basel. Daneben Arbeit in eigener Praxis.
Ausgewählte Publikationen zum Thema:
Buchpublikation zum Thema Bilderwelt krebskranker Kinder (2001)
Buchartikel: Psyche und Soma in der Kinderonkologie (2006),
Co-Autorin mit F. Resch im Artikel zur Palliativen Psychoonkologie bei Kindern im Handbuch Sterben und Menschenwürde (2014)
Co-Autorin u.a. mit D. Bürgin zum Thema «Psychoanalytischen Grundannahmen» (2020).